Sonderausstellung

„1000 Jahre Kaiserdom Merseburg“

10. August bis 09. November 2015

Merseburg vor 1000 Jahren

Merseburg wird schon im 9. Jahrhundert als Burgmittelpunkt im Hersfelder Zehntverzeichnis erwähnt. Seitdem der Sachsenherzog Heinrich, der spätere König Heinrich I., hier Besitz erwarb, rückte der Ort immer mehr in den Mittelpunkt ottonischer Politik. 933 wurde in der Nähe eine Schlacht gegen die Ungarn geschlagen. König Heinrich I. ließ seine Pfalz Merseburg mit Bildern dieser Schlacht ausschmücken.

Die Pfalz gewann weiter an Bedeutung als Otto I. hier 968 ein Bistum einrichtete. Dieses war für die Mission der heidnischen Slawen zuständig. Nach kurzer Aufhebung zwischen 981 und 1004 trat das Bistum Merseburg unter König Heinrich II. und dessen Frau Kunigunde wieder kraftvoll ins Leben. Dank der fruchtbaren Böden sowie einer raschen Aufsiedlung der Gebiete östlich der Saale gehörte Merseburg zu den ertragreichsten Pfalzen in Sachsen, mithin im Osten des Reiches. In ottonischer Zeit wurden hier wichtige Hoftage abgehalten, die für die Gestaltung der europäischen Machtverhältnisse große Bedeutung hatten. Die Ausformung der europäischen Staatenwelt zu Beginn des 11. Jahrhunderts vollzog sich zu einem großen Teil in Merseburg.

Im Jahre 1013 schloss Heinrich II. auf einem Hoftag in Merseburg Frieden mit Herzog Boleslaw von Polen. Dabei erfolgte bei den Pfingstfeierlichkeiten eine festliche Krönung des Königs. Mehrfach feierte Heinrich II. hier das Osterfest; insgesamt lässt er sich 28 Mal in Merseburg nachweisen.

Es war daher folgerichtig, dass der Bedeutung Merseburgs mit dem Neubau des Domes Rechnung getragen wurde. Am 18. Mai 1015 legte Bischof Thietmar dafür selbst den Grundstein. Bei der Weihe des Domes am 1. Oktober 1021 war König Heinrich II. anwesend und beschenkte die Merseburger Kirche reich.

Bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts war der Merseburger Dom aufgrund statischer Probleme zwei Mal eingestürzt und musste wesentlich neu errichtet werden. Aus der Zeit des Wiederaufbaus zwischen 1036 und 1040 stammen die romanische Hallenkrypta sowie die drei Untergeschosse der Osttürme.

Heinrich II. und Kunigunde

Darstellung des Kaiserpaars Heinrich II. und Kunigunde, Chorgestühl im Merseburger Dom

König Heinrich II. und seine Frau Kunigunde genießen in Merseburg besondere Verehrung. Auf ihr Betreiben entstand im Jahr 1004 das 23 Jahre zuvor aufgelöste Bistum Merseburg neu und wurde umfangreich durch Schenkungen ausgestattet. Bis weit in die Reformationszeit hinein wurde das Kaiserpaar mit Altären, Stiftungen und Messen verehrt. 

Die Regierungszeit Heinrichs II. ist von einer starken Hinwendung zum Geistlichen geprägt. Gemeinsam mit seiner Frau Kunigunde wurde er 1014 in Rom vom Papst zum Kaiser gekrönt. Merseburg darf für sich beanspruchen, am häufigsten durch König Heinrich II. besucht worden zu sein.

In den Augen der Zeitgenossen und der nachfolgenden Merseburger Domgeistlichkeit hatten sich Heinrich II. und seine Frau Kunigunde durch Stiftungen und Schenkungen umfassende Verdienste erworben. Der Merseburger Bischof Thietmar, ein Zeitgenosse Heinrichs II., hat dem König in seiner Chronik ein eindrucksvolles Denkmal gesetzt. Sie zählt zu den wichtigsten Quellen für das Leben Heinrichs II. Im Jahre 1024 starb der Kaiser. 1146 wurde Heinrich II., dessen Ehe mit Kunigunde kinderlos geblieben war, heilig gesprochen. Kunigunde wurde 1200 durch den Papst heilig gesprochen.

Mit der Heiligsprechung war es von besonderer Bedeutung, dass Merseburg Gewänder aus deren Schenkung besaß. Diese galten als Reliquien und vermittelten den Glanz des Herrscherpaares. Eine Kasel (liturgisches Gewand), die der heiligen Kaiserin Kunigunde zugeschrieben wird, galt noch im 19. Jahrhundert als Wunder wirkend. Besucher des Doms ließen sich bei Beschwerden diese Kasel umlegen. Noch heute erinnern im Merseburger Dom zahlreiche Darstellungen an die Verehrung des heiligen Kaiserpaares im Mittelalter, so z.B. der sog. Heinrichsaltar von Lucas Cranach d. Ä., abgebildet als Leitmotiv der Sonderausstellung „1000 Jahre Kaiserdom Merseburg“.

Bischof Thietmar von Merseburg

Brunnen im Kreuzhof des Merseburger Doms mit Darstellung Thietmars von Merseburg

Thietmar ist einer der bekanntesten Merseburger Bischöfe. Vor 1000 Jahren lebend hat er wie kein zweiter mit seiner Chronik unsere Vorstellung vom Zeitalter der Ottonen geprägt. Er berichtet ausführlich über die ursprüngliche Einrichtung des Bistums Merseburg 968 sowie die Vorgänge um die Auflösung 981 und Wiedergründung im Jahre 1004. Dabei sparte er nicht mit Kritik an den Großen des Reiches, insbesondere König Otto II., der die Auflösung Merseburgs veranlasst hatte.

Geboren wurde Thietmar vermutlich am 25. Juli 975 (neuere Forschungen legen ein anderes Datum nahe). Thietmar gehörte der Familie der Grafen von Walbeck (nordöstlich von Helmstedt) an. Als dritter Sohn des Grafen Siegfried und der Kunigunde schlug Thietmar eine geistliche Karriere ein. Aus hochadligem Geschlecht stammend, gehörte der Grafensohn zur Elite des Reiches, was er stets in seiner Chronik anklingen lässt.

Ausgebildet wurde er in Quedlinburg und schließlich an der Magdeburger Domschule. Thietmar knüpfte in Magdeburg enge Bande und hat sich diese engen Beziehungen stets bewahrt. So verließ sich König Heinrich II. auf den Rat des Magdeburger Erzbischofs Tagino, als er 1009 Thietmar zum Merseburger Bischof bestimmte. Thietmar entfaltete ein umfangreiches Programm, das auf die Wiederherstellung der alten Merseburger Rechte abzielte. Die Merseburger Königspfalz war in dieser Zeit die meistbesuchte im Reich. Dies verdeutlicht, wie leistungsfähig diese war, konnte sie doch mehrfach im Jahr den König und seinen Hof herbergen. Thietmar von Merseburg war dies bewusst, so dass er stets darauf drängte, dass dem Bistum Merseburg königlicher Besitz übereignet wurde. Dies tat er mit Erfolg: zahlreiche Dörfer und Einkünfte konnte er so sichern und die Fortexistenz des Bistums Merseburg sicherstellen. Auch für die Ausdehnung des geistlichen Sprengels hat Thietmar viel getan, insbesondere drang er darauf, dass das Bistum Merseburg östlich über die Mulde auszudehnen sei. 1017 wurde allerdings die Mulde als Grenze zum Bistum Meißen festgelegt. Bis heute kündet der Merseburger Dom vom Wirken Thietmars. 1015 legte er die Grundsteine zum heutigen Dombau. Den Abschluss des Bauwerks 1021 hat Thietmar nicht mehr miterlebt.

Thietmars Chronik verdanken wir die Ersterwähnung Leipzigs zum Jahre 1015 sowie die Ersterwähnung einer Leipziger Kirche zum Jahre 1017. Letztere erhielt das Bistum Merseburg ebenfalls aus königlichem Besitz geschenkt. Thietmar von Merseburg gehört zur Generation der Bischöfe um die Jahrtausendwende, die eine besondere Nähe zum Königtum auszeichnete. In besonderem Maße konnten sie dadurch die Geschicke des Reiches mitbestimmen und auf königliche Entscheidungen Einfluss nehmen. Unter seinen Mitbischöfen zeichnet ihn aus, dass er seine Beobachtungen schriftlich festhielt und damit ein außergewöhnliches Zeitdokument in Form seiner Chronik hinterließ.

Am 1. Dezember 1018 starb Thietmar und wurde im Merseburger Dom beigesetzt. Noch heute erinnert ein Grabmal in der Bischofskapelle an ihn. Mitteldeutschland verdankt einen guten Teil seines historischen Gedächtnisses dem Eifer des Merseburger Bischofs Thietmar.

2015–2021 Merseburger Jubiläen von europäischem Rang

T-Initiale Thietmars von Merseburg aus einem Sakramentar (Domstiftsarchiv Merseburg)

In dichter Folge wird bis zum Jahr 2021 die Dom- und Hochschulstadt Merseburg von Jubiläen geprägt, die die besondere Bedeutung des Ortes für die deutsche und europäische Geschichte verdeutlichen. Im Zentrum steht dabei der Dom St. Johannes und St. Laurentius, der mit der 1000. Wiederkehr der Grundsteinlegung (2015), dem 500-jährigen Jubiläum der Weihe des neuzeitlichen Dombaus (2017) und dem Jubiläum der tausendjährigen Weihe der ottonischen Domkirche (2021) aufwarten kann. Daneben sind es die Jubiläen herausragender Merseburger Bischöfe, die die Geschichte des Reiches und Mitteldeutschlands wesentlich geprägt haben: der 1000. Todestag Bischof Thietmars (2018) und der 500. Todestag Bischof Thilos von Trotha (2014).

Bei den 1000-jährigen Jubiläen steht die Bedeutung Merseburgs für die europäische und deutsche Geschichte im Mittelpunkt: die Wiederbegründer des Bistums Merseburg, das heilige Kaiserpaar Heinrich II. und Kunigunde, weilten während ihrer Regierungszeit am häufigsten in ihrer Pfalz Merseburg. Bei der Domweihe im Jahr 1021 waren sie die hochrangigsten Gäste.

Bischof Thietmar kämpfte während seiner neunjährigen Amtszeit mit höchstem Einsatz für den Stand und das reichsweite Ansehen seines Bistums. Unsterblichen Ruhm erwarb er mit seiner Chronik: er war der Chronist des Zeitalters der Ottonen. Die 500-jährigen Jubiläen verdeutlichen Merseburgs Rolle für die kulturgeschichtliche Entwicklung des mitteldeutschen Raumes und sind hervorragend geeignet, die regionale Identität zu stärken.

Thietmars in der Chronik befindliche T-Initiale (Merseburg, Domstiftsbibliothek, Cod. 129, fol. 38r) mit seinem eigenhändigem Eintrag steht als Sinnbild für die Zeit der kurz aufeinanderfolgenden Jahrestage und erhielt den zentralen Platz in dem Logo zu den Merseburger Jubiläen. Das Merseburger Gedenkjahr 2015 basiert auf der am 18. Mai 1015 erfolgten Grundsteinlegung des Merseburger Doms. Bischof Thietmar legte höchstpersönlich die Grundsteine hierfür in Form eines Kreuzes.

Die regionale und internationale Bedeutung Merseburgs soll durch Ausstellungen, wissenschaftliche Tagungen, Festveranstaltungen und Vorträge gewürdigt und herausgestellt werden. Damit kann zugleich die Bedeutung des Merseburger Domes für unsere Zeit, als Ort der Spiritualität und Besinnung sowie der Kommunikation zwischen den verschiedenen Konfessionen aufgezeigt werden. Die Merseburger Jubiläen der Jahre 2014 bis 2021 bieten die einzigartige Möglichkeit, der Bedeutung Merseburgs als zentraler Ort deutscher und europäischer Geschichte wieder zu altem Glanz zu verhelfen.